Großes Treffen in der alten Kelter

Gestern Abend trafen sich rund 50 Mitglieder vom Freundeskreis Asyl und auch Interessenten aus Besigheim zum großen Treffen in der Alten Kelter in Besigheim. Lutz Althöfer, Sprecher des Leitungsgremiums, begrüßte die Anwesenden und gab das Wort gleich weiter an eine Sozialarbeiterin aus dem Team der drei Sozialarbeiterinnen der Flüchtlingsunterkunft im Wasen. Im Moment leben 60 Flüchtlinge in den Häusern der für Besigheim zugewiesenen Flüchtlinge und 152 Flüchtlinge in den Häusern des Landkreis Ludwigsburg. 19 weitere Flüchtlinge sind in Wohnungen in Besigheim untergebracht, sodass bereits 231 Flüchtlinge in Besigheim leben. In den kommenden Wochen werden wieder vermehrt Flüchtlinge zugeteilt werden. Für diese Anzahl Flüchtlinge ist die Personaldecke viel zu klein, es gab Unzufriedenheit seitens der Flüchtlinge und auch der Sozialarbeiter, da die Arbeit kaum zu bewältigen ist. Bemängelt wurde auch das extrem langsame WLAN Netz in der Unterkunft. Eine weitere Sozialarbeiterstelle wird nun geschaffen, es wird umstrukturiert und so besteht Hoffnung auf Verbesserung der Arbeitsbedingungen. In Besigheim sind somit drei Sozialarbeiterinnen mit je einer 50% Stelle, einer 75% Stelle und eine 100 % Stelle im Flüchtlingsheim im Wasen vor Ort. Mit mehr Personal kann den Flüchtlingen mehr Sprechzeiten zur Verfügung gestellt werden. Die Sprechzeiten sind zur Zeit:

                           Anne                             Elena                   Teddy

Montag            10:00 - 12:00                    -                   10:00 - 13:00

Dienstag          10:30 - 13:30                    -                   10:30 - 13:30

Mittwoch                   -                     12:00 - 15:30        12:00 - 15:30

Donnerstag     10:30 - 13:30                     -                   10:30 - 13:30

Freitag                      -                        9:30 - 12:30          9:30 - 12:30

 

Unser großes Projekt "Deutsch am Nachmittag" wurde von den beiden Leiterinnen des Teams vorgestellt. Dieses Projekt besteht seit September 2016 und wird von den Flüchtlingen sehr gerne und gut angenommen. 25 aktive Mitarbeiter aus dem Team geben Montag- bis Freitagnachmittag täglich von 15:00 bis 17:00 Uhr Sprachhilfe bzw. Lebenshilfe. Die Flüchtlinge kommen mit Hausaufgaben aus den Deutschkursen, wollen das Sprechen und Lesen üben oder suchen einen Ansprechpartner bei Lebensfragen. Für jeden Monat werden Listen erstellt, damit an jedem Nachmittag ausreichend Helferinnen und Helfer für die Flüchtlinge da sind. Für den Monat März fehlen besonders an den jeweiligen Freitagen noch Helfer_innen.

Zwei Mitarbeiterinnen aus dem Team bieten zusätzlich Mittwoch und Donnerstag am Vormittag Deutschunterricht in der Unterkunkft an. Hier werden Grundlagen in Deutsch geübt (Essen, Zahlen, Farben), meist kommen 6 - 8 Flüchtlinge in wechselnder Besetzung.

Als Punkt 2 stand auf der Tagesordnung: Kontakte zu den Flüchtlingen und untereinander. Hier kam zur Sprache, dass wir zu wenig voneinander und  untereinander wissen, die gegenseitige Unterstützung muss mehr wachsen. Die Frage nach dem Wiederaufleben des Stammtisches wurde positiv beantwortet, hier besteht doch großes Interesse und Bedarf. Es wird nach einem geeigneten Ort gesucht, um auch die Flüchtlinge mit in diese Form der Begegnung einzubinden. Um einer Ghettoisierung vorzubeugen, suchen wir nach einem Ort außerhalb der Flüchtlingsunterkunft. Da in den nächsten Wochen wieder vermehrt weitere Flüchtlinge nach Besigheim kommen werden, werden wir wieder ein Willkommensteam zusammenstellen, die den "Neuen" einen kleinen Einblick in das Leben hier in Besigheim geben.

Einen Ort der Begegnung gibt es bereits im Ressort Kultur.Austausch. Donnerstagabend von 19:00 bis 21:00 Uhr werden in der Oberamteigasse 6 alle zwei Wochen Sprachspiele gespielt und eine offene Gesprächsrunde angeboten; einmal im Monat wird speziell für Frauen ein Angebot gemacht (backen, kochen, erzählen im geschützen Rahmen). Die Flüchtlinge nehmen das Angebot gerne an, wenn sie von der Unterkunft abgeholt werden. Von alleine kommen sie nicht, hier gibt es noch eine Hemmschwelle, die es zu überwinden gilt. Aus diesem Grund werden die Paten gebeten, ihre Flüchtlinge oder Familien auf das Angebot aufmerksam zu machen und die Menschen gerne zu den Spieleabenden zu begleiten. Im Ressort Kultur.Austausch werden noch Mithelfer gesucht. Bitte melden Sie sich freizeit@freundeskreis-asly-besigheim.de

Das Team Fahrradwerkstatt ist seit einiger Zeit aktiv. Da es schwierig war, einen Raum zu bekommen, in dem die Fahrräder restauriert und repariert werden können, ist dem Team Fahrradwerkstatt vom Landkreis Ludwigsburg ein abgetrennter Bereich im Fahrradabstellraum im Wasen zugeteilt worden. Dieser Bereich ist leider nicht beheizt, sodass die Arbeiten an den Rädern in den vergangenen kalten Tagen auch in Eiseskälte durchgeführt wurden. 15 Fahrräder wurden bereits ausgeliefert. Die Räder werden von den Flüchtlingen selbst repariert, ein Mitarbeiter aus dem Team ist als Ansprechpartner immer mit dabei. Allerdings soll Hilfe zur Selbsthilfe angeregt werden: wer sein Rad bekommen möchte, muss selbst mit Hand anlegen. Das heißt, das defekte Licht reparieren, die Bremsen neu einrichten, Reflektoren anbringen. Die Reparatur ist umsonst, die Ersatzteile stellt das örtliche Fahrradgeschäft günstig zur Verfügung. Und wenn ein Tipp oder Rat gebraucht wird, ist auch von dort immer Hilfe zu bekommen. Frauen und Kinder arbeiten am besten mit, die Männer sind doch etwas distanzierter. Die Flüchtlinge erhalten die verlosten Fahrräder umsonst. Allerdings müssen sie für das Fahrrad ein Fahrradschloss kaufen, das zum Selbstkostenreis von € 12,- bereitgestellt wird. Wenn das Licht nicht funktioiert, können die Flüchtlinge für € 5,- LED Lichter erwerben. Weitere 20 Fahrräder stehen nun bereit. Da großer Bedarf an Rädern besteht, wir aber nicht so viele Räder haben, werden die Fahrräder von den Sozialarbeitern ausgelost. Glücklich kann sich also derjenige Flüchtling schätzen, der ein positives Los gezogen hat! Auch in diesem Team werden dringend Helfer gesucht. Offene Werkstatt ist immer Donnerstag 12:00 - 15:30 Uhr. Bitte melden sie sich über kontakt@freundeskreis-asyl-besigheim, wenn Sie gerne im Team Fahrradwerkstatt helfen möchten.

Punkt 3 der Tagesordnung war die Idee eines neuen Projekts Handarbeit. Wir haben zwei Nähmaschinen, die wir den Flüchtlingen zur Verfügung stellen können. Die hier lebenden Frauen sollen mit diesem Projekt aktiviert werden, über Handarbeiten mit der deutschen Sprache vertraut zu werden. Viele Frauen haben Hemmungen, Deutsch zu lernen, wenn Männer in ihrer Umgebung sind. Mit diesem Projekt Handarbeit soll den Frauen eine geschütze Umgebung gegeben werden, in der sie Deutsch lernen und ihre Konzentrationsfähigkeit schulen können. Eine Mitarbeiterin aus dem Team Deutsch am Nachmittag hat sich bereit erklärt, am Dienstagnachmittag von 15:00 bis 17:00 Uhr dieses neue Projekt ins Leben zu rufen.

Punkt 4 der Tagesordnung war die Vorstellung der einzelnen Ressorts.

Das Ressort Sachspenden mit 13 Mithelfern ist gut aufgestellt und hat die hier lebenden Flüchtlinge mit dem Nötigstens versorgt. Im Moment brauchen wir außer Fahrrädern keine Sachspende. Wenn die Flüchtlinge doch etwas benötigen, suchen sie in Bietigheim im "Neufundland" oder in der Kleiderkammer nach dem, was sie brauchen. Kurz vor Weihnachten konnten durch die große finanzielle Spende einer Besigheimer Familie für alle Kinder der Flüchtlingsunterkunft Weihnachtsgeschenke (Spiele) gekauft werden. Das Team Sachspenden organisierte eine kleine Weihnachtsfeier im Wasen, bei der die Spiele überreicht wurden. An dieser Stelle dankt das Team Sachspenden noch einmal allen, die hier mitgeholfen haben.

Das Ressort Arbeits- und Berufsintegration weist darauf hin, dass für eine Arbeitsaufnahme das Sprachlevel B1 Voraussetzung ist. Hindernis bei der Einstellung von Flüchtlingen ist nach wie vor die Sprache. Meist ist die Unterhaltung auf Englisch.

Im Ressort Kleinkindbetreuung ruhen zur Zeit die Aktivitäten, da keine Eltern mit Kindern unter drei Jahren den Sprachkurs besuchen; so müssen auch keine kleinen Kinder betreut werden.

Das Ressort Schule beschreibt die ungute Situation der Vorbereitungsklassen (VKLs) in der Alten Post in Besigheim. Die Flüchtlingskinder werden hier von ehemaligen Pädagogen auf die reguläre Schule vorbereitet. Unterteilt werden die VKLs in die VKL-Primarstufe der 6 - 10 jährigen Kinder sowie die VKL-Sekundarstufe für 11 - 16 jährige. Die VKL-Sekundarstufe besteht aus zwei Leistungsgruppen mit je 12 und 13 Schülern auf unterschiedlichem Sprachniveau. Gedacht war die Unterbringung in der Alten Post als Interimslösung. Da es aber in Besigheimer Schulen keine weiteren Räumlichkeiten gibt, bleibt die Ausgliederung bestehen und es wird nach einer neuen Lösusng gesucht. Die Kinder haben keinen Kontakt zu den deutschen Kindern, eine Integration ist so nicht möglich. Sprache erlernt man dort, wo sie gelebt wird. Welche Antwort gibt man auf die Kinderfrage: " Wann darf ich in die richtige Schule gehen?" Konstruktive Gespräche mit der Schulleiterin der Friedrich-Schelling-Schule haben dazu geführt, dass die Kinder der VKL-Sekundarstufe einmal pro Woche  am Mittwochnachmittag in die Friedrich-Schelling-Schule kommen können. Hier werden die Kinder immer mittwochs von 15:45 - 16:45 von einem Mithelfer aus dem Ressort Schule in naturwissenschaftlichen Fächern gestützt und gefördert, damit sie dem regulären Unterricht gut folgen können. Auch hier werden dringend Helfer gesucht, da die Kinder begeistert und sehr lernwillig sind. Bitte melden sie sich unter schule@freundeskreis-asyl-besigheim.de

Das Ressort Öffentlichkeit stellte die Mitglieder und deren Tätigkeiten vor. Die Broschüre "Willkommen in Besigheim" soll baldmöglichst in Englisch in einer Druckversion an die Flüchtlinge ausgeteilt werden.

230 und mehr Flüchtlinge leben zur Zeit in Besigheim. Eine direkte Betreuung über das Ressort Paten ist angesichts der großen Zahl leider nicht mehr möglich.

Das Ressort Sport hat im Moment keine Aktivitäten, wir warten alle auf den Sommer.

Das Ressort Ärzte ist im Moment nicht besetzt. Wir sind auf der Suche nach einem Ansprechpartner aus der örtlichen Ärzteschaft und hoffen sehr, dass sich ein Arzt, eine Ärztin als Ansprechpartner zur Verfügung stellt. Es gibt so viele Fragen seitens der Flüchtlinge. Fragen, die wir alleine nicht mehr lösen können, müssen gelöst werden. Auch hier sind wir auf Hilfe angewiesen!

Am Ende unserer Veranstaltung wies Herr Althöfer noch auf die Flyer vom Team Kultur.Austausch hin, die von allen Anwesenden auch zur Verteilung mitgenommen werden können. Mit einem Dank an alle Anwesenden verabschiedete Herr Althöfer um 21:30 Uhr die Mitglieder und Interessenten. Im Anschluss an die Veranstaltung gab es noch Gespäche der betreuenden Paten und Aktiven anlässlich der Ausweisung von Familie Rahimi.